Entscheidungen treffen – warum fällt uns das so schwer?

Entscheidungen treffen – warum fällt uns das so schwer?

Entscheidungen treffen – warum fällt uns das so schwer?
Entscheidungen treffen – warum fällt uns das so schwer?

Jeden Tag treffen wir Entscheidungen – wir entscheiden was wir essen, was wir anziehen, was uns gefällt und was uns nicht gefällt. Das ist völlig unbewusst, und wir bemerken gar nicht wie oft am Tag wir uns für etwas entscheiden müssen. Dennoch fällt es uns unglaublich schwer, aktiv eine Entscheidung zu treffen, die unsere Zukunft beeinflussen könnte. Warum ist das so?

Die Qual der Wahl

So viele Wahlmöglichkeiten wie heutzutage gab es noch nie. Unser Leben ist voller Möglichkeiten, die ausgeschöpft werden können. Noch vor hundert Jahren war der Weg eines Menschen vorgezeichnet, und richtete sich danach, aus welcher Klasse die Eltern kamen. Handwerkerkinder wurden Handwerker, Ärztekinder wurden Ärzte und Arbeiterkinder wurden Arbeiter. Doch nicht nur die Berufswahl ist heute völlig offen.

Die ewige Verfügbarkeit von Waren und Dienstleistungen aus der ganzen Welt stellt uns vor vielen Entscheidungen. Sollen wir die Waschmaschine mit 1.400 Umdrehungen und Energieklasse A++ nehmen oder mit 1.200 Umdrehungen und dafür größerer Trommel für mehr Aufnahmekapazität? Entscheiden wir uns für das iPhone oder für das Samsung Galaxy? Und gehen wir zum hippen veganen Eisladen oder doch zur traditionellen Gelateria?

Um uns in diesem Dschungel die Entscheidung zu erleichtern wurden sogar eigene Bewertungsportale entwickelt, die uns anhand der Wertungen anderer helfen sollen, uns für Produkte zu entscheiden. Nur über Geschmack lässt sich ja bekanntlich streiten (oder auch nicht) – dem einen ist die Schleuderanzahl zu niedrig und der andere möchte gerne mehr Wäsche in die Trommel stecken. Also stehen wir wieder vor der Qual der Wahl – denn diese kann uns keiner abnehmen!

Die Gefühlswelt der Entscheidungen

Gute Verkäufer wissen es – wir verbinden unsere Entscheidungen mit Emotionen. Aus diesem Grund kaufen wir Produkte, die sich gut anfühlen. Eine Entscheidung ist immer eine emotionale Sache – egal wie wir die Argumente gegeneinander abwägen, den Bauch können wir nie abschalten. Und ohne Emotionen würden wir überhaupt keine Entscheidungen mehr treffen – denn es wäre uns einfach völlig egal, für was wir uns entscheiden.

Und hier liegt die Wurzel des Übels – wir vertrauen unserem Bauch nicht mehr. In einer Gesellschaft, die noch nie mit so viel Information ausgestattet war wie heute, werden Gefühle immer überflüssiger. Wenn wir Argumente für und gegen eine Sache sammeln, erhalten wir am Ende meist immer eine ausgewogene Liste. Ein Computer kann Wahrscheinlichkeiten ausrechnen, kann Zukunftsmodelle entwickeln, kann aber nie eine 100%-Sicherheit der Entscheidung geben. Und da kommt nun doch unser Bauch ins Spiel.

Kopf gegen Bauch

In unserem Bauch existiert ein Nervengeflecht, das fast gleich groß wie das des Gehirns ist. Man nennt dies auch unser Bauchgehirn. Dieses Bauchgehirn ist dafür verantwortlich, dass wir Schmetterlinge im Bauch haben oder die Wut wie eine Faust im Bauch spüren. Wer aktiv auf seinen Bauch hört, wird bemerken wie er uns den ganzen Tag meist ganz unauffällig begleitet und unterstützt. Während das Gehirn pro und contra abwägt, sagt der Bauch ja oder nein. Einfach so!

Unser Bauch ist dazu in der Lage innerhalb von Millisekunden zwischen richtig und falsch zu unterscheiden. Er sagt uns wer der richtige Partner ist, was wir essen sollten und welches Kleid uns am heute am besten steht. Das macht er dauernd ohne Unterlass, egal ob wir auf ihn hören oder nicht. Und heutzutage ist es leider immer öfter so, dass wir nicht auf unseren Bauch hören, sondern Informationen, Bewertungen oder Argumente sammeln und dann entscheiden. Am Ende ist es dann zu oft so, dass wir sagen: Ach, hätte ich doch nur auf meinen Bauch gehört!

Woher dieses treffsichere Gefühl im Bauch kommt, ist unbekannt. Warum weiß der Bauch darüber Bescheid, was uns gut tut und was nicht? Ich kann aus Erfahrung bestätigen, dass mein erster Eindruck von Menschen meistens richtig ist, und zwar wenn der Bauch entscheidet. Aber mein Kopf schaltet sich so schnell dazwischen, dass der erste Eindruck meist so kurz und flüchtig ist, dass ich ihn nicht fassen kann. Wenn ich dann den Menschen besser kennenlerne, bemerke ich aber schnell, dass der erste Eindruck doch der richtige war!

Wie können wir unser Bauchgefühl stärken?

Das Wichtigste ist für mich, nichts zu tun, bei dem man sich schlecht fühlt. Denn eine Entscheidung muss sich gut anfühlen. Tut sie das nicht, ist sie nicht die Richtige. Gerade sicherheitsbewusste Menschen sind entscheidungsschwach – denn ihre Sicherheit ist ihnen so wichtig, dass sie sich nicht für riskante Entscheidungen durchringen können. Da entsteht ein richtiger Kampf zwischen dem Gehirn, das die Informationen analysiert und laut schreit „Alarm – unsicher!“, und dem Bauch, der sagt „Alarm – fühlt sich schlecht an!“.

Ich habe begonnen bei jeder Entscheidung, die mir Schwierigkeiten bereitet, ganz bewusst meinen Bauch zu fragen, und die Gefühle, die er sendet, zuzulassen. Oft kann auch ein ruhiges, meditatives Gespräch mit sich selbst helfen, den wahren Argumenten pro und contra auf die Schliche zu kommen. Meine beste Freundin fragt mich bei Entscheidungen oft: was ist das Schlimmste, das passieren kann? Und wäre das wirklich so schlimm? Das nimmt viel Druck raus und erlaubt auch riskantere Entscheidungen zu treffen.

„Zu Tode gefurchten“ kann mitunter schon passieren. Denn wenn das Leben an einem vorbei zieht, weil man es nicht wagt eine mutige Entscheidung zu treffen, ist es schnell einmal zu spät überhaupt noch Entscheidungen treffen zu können. Es ist ein Privileg, dass wir heute entscheiden dürfen, und das muss ausgekostet werden. Nur wir selbst haben unser Leben in der Hand. Und nur wir selbst dürfen darüber entscheiden – und dieses Recht muss absolut geschützt werden!

Aus diesem Grund: wer mehr auf seinen Bauch hört, ist auch glücklicher! Das kann ich bestätigen!

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