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Tag: Aspirin

Mädesüß – Die Pflanze des Flusses und des Neubeginns

Mädesüß – Die Pflanze des Flusses und des Neubeginns

Es gibt Pflanzen, die entdeckt man ganz bewusst. Man liest über sie in einem Buch, kauft Samen oder bekommt sie von einer Freundin geschenkt. Und dann gibt es Pflanzen, die finden einen selbst.

So ging es mir mit dem Mädesüß.

Ich spazierte an einem kleinen Bach entlang, als plötzlich ein unglaublich süßer Duft in der Luft lag. Er erinnerte mich an Honig, an eine blühende Sommerwiese und an warme Sonnentage. Ich blieb stehen und suchte nach der Pflanze, die diesen betörenden Geruch verströmte. Zwischen den Gräsern entdeckte ich schließlich zarte, cremeweiße Blüten, die wie kleine Wölkchen über der Wiese schwebten. So filigran und leicht, dass man sie fast übersehen hätte.

Seit diesem Tag begleitet mich das Mädesüß. Je mehr ich über diese Pflanze lernte, desto mehr hatte ich das Gefühl, dass sich hinter ihren unscheinbaren Blüten eine Geschichte verbirgt, die heute kaum noch jemand kennt.

Eine Pflanze, die seit Jahrhunderten den Menschen begleitet

Mädesüß gehört zu den alten Heilpflanzen Europas und spielte über viele Jahrhunderte eine weit größere Rolle als heute. Unsere Vorfahren gaben seine Blüten in Met und in Kräuterbier, sie streuten sie auf den Boden ihrer Häuser und Kirchen und schmückten mit ihnen Hochzeiten. Gleichzeitig taucht das Mädesüß in manchen Regionen auch bei Begräbnissen und anderen Übergangsritualen auf.

Das wirkt auf den ersten Blick widersprüchlich. Wie kann dieselbe Pflanze sowohl eine Hochzeitsblume als auch eine Pflanze des Abschieds sein?

Mädesüß begleitet die großen Übergänge des Lebens. Es steht für Veränderung, für Wandel und für den ständigen Fluss, der alles Lebendige miteinander verbindet. Dass diese Pflanze fast ausschließlich dort wächst, wo Wasser fließt, erscheint dann gar nicht mehr wie ein Zufall.

Wer einmal bewusst auf Mädesüß achtet, wird es fast immer an Bachufern, Quellen, Gräben oder feuchten Wiesen entdecken. Es liebt die Bewegung des Wassers und wächst genau dort, wo nichts stillsteht.

Viel mehr als die natürliche Vorlage für Aspirin

Die meisten Menschen kennen Mädesüß heute nur aus einem einzigen Grund: Es enthält natürliche Salicylate. Diese Stoffe führten später zur Entwicklung der Acetylsalicylsäure, die wir heute unter dem Namen Aspirin kennen.

Doch genau hier beginnt für mich die eigentliche Geschichte erst.

Denn Mädesüß enthält noch viele weitere wertvolle Pflanzenstoffe. Ellagitannine, Flavonoide, Quercetin- und Kaempferol-Verbindungen, Gerbstoffe, Schleimstoffe und ätherische Öle machen diese Pflanze zu einem kleinen biochemischen Wunderwerk.

Besonders spannend finde ich dabei einen scheinbaren Widerspruch. Aspirin kann den Magen reizen, während Mädesüß in der traditionellen Volksheilkunde seit Jahrhunderten gerade bei Magenbeschwerden eingesetzt wurde. Die Erklärung könnte in der natürlichen Zusammensetzung der Pflanze liegen. Während die Salicylate entzündungshemmende Eigenschaften besitzen, liefern Schleimstoffe und Gerbstoffe gleichzeitig einen schützenden Ausgleich für die Schleimhäute. Die Natur denkt eben selten in Einzelstoffen – sie arbeitet immer im Zusammenspiel.

Die spannendste Wirkung entsteht erst nach der Verdauung

Je tiefer ich in die Forschung eintauchte, desto faszinierter war ich. Viele der wertvollen Inhaltsstoffe des Mädesüß wirken nämlich gar nicht direkt in unserem Körper. Sie müssen zuerst von unseren Darmbakterien verarbeitet werden.

Unsere Darmflora zerlegt die großen Pflanzenstoffe in kleinere Bestandteile und erschafft dabei völlig neue Verbindungen. Aus den Ellagitanninen entstehen unter anderem die sogenannten Urolithine – allen voran Urolithin A. Und genau dieser Stoff sorgt derzeit in der modernen Altersforschung für großes Interesse.

Forscher untersuchen, welchen Einfluss Urolithin A auf unsere Mitochondrien haben könnte – die kleinen Kraftwerke jeder einzelnen Körperzelle. Besonders spannend ist dabei die sogenannte Mitophagie. Das klingt zunächst kompliziert, beschreibt aber einen sehr natürlichen Vorgang. Alte oder beschädigte Mitochondrien werden erkannt, abgebaut und durch neue ersetzt. Es ist gewissermaßen ein Recyclingprogramm unserer Zellen.

Mich begeistert dieser Gedanke. Die Pflanze liefert nicht den fertigen Wirkstoff, sie liefert lediglich die Vorstufe. Den eigentlichen Star erschafft unser Mikrobiom. Die Geschichte des Mädesüß beginnt also tatsächlich im Darm.

Eine Pflanze, die Darm, Gehirn und Erinnerungen verbindet

Noch etwas hat mich bei meinen Recherchen fasziniert.

Der Duft des Mädesüß spielte früher eine ebenso große Rolle wie seine Heilwirkung. Häuser wurden mit den Blüten ausgelegt, Kirchen mit ihnen geschmückt und Feste von ihrem süßen Aroma begleitet. Das erscheint heute fast romantisch, besitzt aber auch eine erstaunlich moderne Seite.

Gerüche gelangen ohne Umwege in jene Bereiche unseres Gehirns, die für Erinnerungen und Emotionen verantwortlich sind. Jeder von uns kennt das Gefühl, wenn ein bestimmter Duft plötzlich längst vergessene Bilder aus der Kindheit wieder lebendig werden lässt.

Genau hier schließen sich für mich mehrere Kreise. Die moderne Forschung beschäftigt sich intensiv mit der Darm-Hirn-Achse. Sie untersucht, wie eng Darmflora, Stoffwechsel, Gehirn und Emotionen miteinander verbunden sind. Unsere Vorfahren kannten diese wissenschaftlichen Zusammenhänge natürlich nicht. Dennoch nutzten sie das Mädesüß genau dort, wo Menschen Trost, Freude, Gemeinschaft oder einen Neubeginn brauchten.

Zwei meiner liebsten Rezepte mit Mädesüß

Je mehr ich mich mit dieser Pflanze beschäftige, desto lieber verwende ich sie auch in der Küche. Besonders gerne bereite ich daraus ein Mädesüß-Oxymel zu. Dafür fülle ich frische Blüten locker in ein Glas und übergieße sie mit 3 Teilen hochwertigem Honig und einem Teil naturtrübem Apfelessig. Nach zwei bis drei Wochen wird das Oxymel abgeseiht und kühl gelagert. Ein Esslöffel in einem Glas Wasser ergibt ein wunderbar erfrischendes Sommergetränk, das Tradition, Genuss und moderne Erkenntnisse rund um Polyphenole und Darmflora auf wunderschöne Weise miteinander verbindet.

Ein zweites Lieblingsrezept ist mein augenzwinkernd genannter „Anti-Aging-Wein„. Dafür lasse ich frische Mädesüßblüten einige Tage in einem guten Weißwein ziehen und seihe sie anschließend wieder ab. Natürlich ist dieser Name kein Heilversprechen, aber ich liebe den Gedanken, alte Kräuterweine wiederzuentdecken und dabei Genuss mit jahrhundertealter Pflanzenkunde zu verbinden.

Die eigentliche Botschaft des Mädesüß

Je länger ich mich mit dieser Pflanze beschäftige, desto weniger sehe ich in ihr einfach nur eine Heilpflanze gegen Schmerzen- für mich ist Mädesüß die Pflanze des Flusses.

Sie erinnert uns daran, dass Gesundheit nicht nur entsteht, indem wir ständig Neues aufbauen. Genauso wichtig ist es, Altes loszulassen, zu recyceln und Raum für Neues zu schaffen. Unsere Darmflora verändert sich jeden Tag. Unsere Zellen erneuern sich. Erinnerungen werden umgeschrieben, Wunden heilen und selbst ein Fluss ist niemals derselbe wie am Tag zuvor.

Mädesüß wächst genau deshalb dort, wo Wasser fließt – weil es uns jeden Sommer daran erinnert, dass das Leben niemals im Festhalten seine größte Kraft entfaltet. Die größte Kraft entsteht dort, wo wir bereit sind, in Bewegung zu bleiben. Dort, wo Altes gehen darf und Neues entstehen kann. Genau darin liegt für mich die eigentliche Weisheit dieser wunderbaren Pflanze.

DIY – Grippeessig

DIY – Grippeessig

DIY - Grippeessig
DIY – Grippeessig

Ich liebe naturtrüben Apfelessig, denn dieser ist ein kleines höchst gesundes Kraftpaket – ich habe ihn in diesem Artikel bereits vorgestellt! Jetzt möchte ich ein ganz einfaches, aber sehr wirksames Rezept vorstellen, das uns besonders durch den anspruchsvollen Herbst und Winter gesund und munter bringen wird. Denn mit Grippe und Co. sollten wir unser Immunsystem stärken und es so unterstützen, damit Viren und Bakterien keine Chance bekommen. Neben einem guten Vitamin D-Status kann das tägliche Trinken des Apfelessig-Honig-Wassers gute Dienste erfüllen. Wenn sich dann doch Halskratzen einstellen sollte, kann man mit diesem Grippeessig und Honig im warmen Wasser eine schnelle und gut wirksame Erkältungslimonade machen, die äußerst gesund ist!

Kräuter im Grippeessig

Welche Kräuter gebe ich in den Grippeessig? Es sind vor allem antibakterielle Heilpflanzen, die bei Kopfschmerzen, Gliederschmerzen, Husten, Halsschmerzen und verstopfter Nase unterstützend wirken und dem Körper die Kraft geben selbst gegen die Krankheit zu kämpfen. Ich nehme einmal die Braunelle, die ich bereits hier vorgestellt habe. Sie ist ein Kraftpaket, das selbst bei Diphterie wirksam ist! Dann noch den Quendel (siehe hier) – er ist schleimlösend, hilft gegen Husten und ist durch das enthaltene Thymol antibakteriell und desinfizierend. Das Mädesüß (in diesem Blog-Artikel könnt ihr mehr darüber lesen) beinhaltet Salizylverbindungen, die auch im Aspirin enthalten sind. Diese wirken bei Schmerzuständen und bei Fieber. Der Spitzwegerich (siehe hier) ist ebenfalls antibakteriell, schleimlösend und äußerst wirksam bei Husten. Mit diesen vier höchst wirksamen Heilkräutern, die am besten an einem warmen und sonnigen Tag gepflückt werden, ist unser Grippeessig ein großartiges Grippemittel, das uns durch die kalte Jahreszeit bringt!

DIY – Grippeessig

Die Herstellung des Grippeessigs ist sehr einfach und kann schnell und unkompliziert selbst gemacht werden. Wir benötigen dazu einen Liter guten, naturtrüben Apfelessig, die vorgestellten Kräuter (jeweils eine kleine Handvoll Braunelle, Quendel, Blütendolden des Mädesüß und Spitzwegerich) und eine Glasflasche.

  • Alle Kräuter werden an einem sonnigen Tag gepflückt (es können auch getrocknete Kräuter verwendet werden, wenn man nicht alle Kräuter an einem Tag findet) und ausgeschüttelt, damit alle Käferchen fliehen können.
  • Die Kräuter werden dann in die Glasflasche gegeben und mit dem naturtrüben Apfelessig übergossen.
  • Das Ganze wird nun so lange an einem kühlen und dunklen Platz gestellt bis die Kräuter verblasst sind. Das dauert vier bis acht Wochen.
  • Dann können die Kräuter entweder im Essig belassen werden (es schaut sehr dekorativ aus) oder auch über ein feines Sieb abgegossen werden.
  • Bei den ersten Anzeichen einer Erkältung, Grippe, Halsentzündung, Bronchitis oder ähnliches nimmt man ein Glas mit warmen Wasser (kein heißes Wasser verwenden, sonst werden die guten Inhaltsstoffe zerstört!) und gibt zwei Teelöffel Grippeessig und einen Teelöffel Honig hinein (bei Kindern kann man auch zwei Löffel nehmen, dann ist es süßer). Dieser Drink wird langsam getrunken. Gerne auch stündlich!

Das Tolle ist, dass auch Kinder den Grippeessig nehmen können – anders als bei einer Tinktur ist kein Alkohol enthalten. Durch den Apfelgeschmack und den Honig schmeckt der Erkältungstrunk angenehm mild und gut wie eine Limonade!

Mädesüß – das pflanzliche Aspirin

Mädesüß – das pflanzliche Aspirin

Mädesüß – das pflanzliche Aspirin
Mädesüß – das pflanzliche Aspirin

An unseren kleinen Bachufern am Rindlberg blüht das Mädesüß und verströmt seinen einzigartigen Duft. Diese Pflanze mit den auffälligen bauschigen Blüten ist lange Zeit, bevor es entzündungshemmende Schmerzmittel gab, bei Grippe, Kopfschmerzen und anderen Schmerzzuständen verwendet worden. Als alte Druiden- und Heilpflanze galt das Mädesüß mit seinen Salizylverbindungen lange Zeit als gut verträgliches, pflanzliches Schmerzmittel und wir verdanken ihr auch die Erfindung des Aspirins – denn im 19. Jahrhundert konnte man den Wirkstoff identifizieren und ihn synthetisch herstellen. Den Namen verdankt die Pflanze ihrer Eigenschaft als Süßungs- und Geschmacksmittel, wurden doch mit den Blüten der Met gewürzt.

Mädesüß – Aussehen und Wirkung

Diese Pflanze lässt sich recht einfach identifizieren – man findet Mädesüß an Bachufern und feuchten Wiesen, es blüht im Juli und August mit auffälligen bauschigen Blütendolden und dabei duftet alles nach der alten Heilpflanze. Den Duft könnte man beinahe als medizinisch bezeichnen – ich finde es riecht leicht nach Pflaster oder Leukoplast. Viele beschreiben den Duft auch als marzipanartig oder nach Mandeln duftend. Der Geruch ist sehr beruhigend und aus diesem Grund wurde Mädesüß früher auch am Boden der gefegten Stube verteilt, um den heilenden Duft im Haus zu verteilen.

Aufgrund der darin enthaltenen Salicylate wirkt ein Tee oder eine Tinktur aus Mädesüß gegen grippale Infekte, Hals-, Kopf- und Gliederschmerzen, rheumatische Beschwerden oder Fieber. Der starke Duft kann bei Überdosierung aber auch Kopfschmerzen verursachen! Die entzündungshemmende und harntreibende Wirkung kann besonders mit einem Tee erreicht werden – als Erkältungstee kann man Mädesüß mit Holunderblüten, Thymian (bzw. Quendel) und Lindenblüten mischen. Mit Honig und Ingwer als Wirkungsverstärker verfeinert hilft dieser Erkältungstrunk schnell wieder auf die Beine zu kommen.

DIY – Rezepte mit Mädesüß

Ich habe dieses Jahr neben dem getrockneten Kraut als Tee Mädesüß auch in einer Tinktur und als Sirup verarbeitet. Die Tinktur hilft besonders gut gegen Kopfschmerzen und kann tropfenweise im lauwarmen Wasser eingenommen werden. Der Sirup schmeckt erfrischend und gut, kann aber auch medizinisch benutzt werden – mit warmem Wasser aufgegossen hilft er natürlich ebenfalls bei Erkältungskrankheiten und Kopfschmerzen!

Für die Tinktur benötigt ihr eine Handvoll frische Mädesüß Dolden und Blätter, Ansatzkorn und ein Marmeladeglas:

  • Die Dolden und Blätter ausschütteln damit keine kleinen Tierchen verarbeitet werden.
  • Danach das Kraut in das mit kochendem Wasser sterilisierte Marmeladeglas geben und so weit mit Ansatzkorn aufgießen, dass das Kraut gut bedeckt ist.
  • Etwa drei bis vier Wochen stehen lassen bis die Farbe verblichen ist und danach mit einem feinen Sieb abseihen.
  • In eine dunkle Flasche einfüllen, beschriften und fertig!
  • Die Tinktur hält locker ein Jahr und kann bei Bedarf eingenommen werden.

Den Sirup habe ich mit frischen Apfelminzeblättern verfeinert, damit der Geschmack abgerundet ist. Du benötigst ein großes Glas mit Deckel, drei Handvoll Mädesüß-Dolden, genauso viel Minzblätter, ein Kilo Gelierzucker, eineinhalb Liter Wasser und eine Zitrone.

  • Die Dolden wie auch die Minzblätter gut ausschütteln und in das sterilisierte Glas geben.
  • Die Zitrone heiß abwaschen, in Scheiben schneiden und ebenfalls ins Glas geben.
  • Danach den Zucker über das Ganze gießen und mit dem Wasser auffüllen.
  • Den angesetzten Sirup drei Tage lang warm, am besten in der Sonne, stehen lassen.
  • Danach den Sirup über ein Baumwolltuch oder ein feines Sieb absieben und in sterilisierte Flaschen füllen.
  • Mit Wasser verdünnt schmeckt der Sirup herrlich erfrischend und süß!
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